Berlin – innehalten ja, aber ich hab‘ da mal ’ne Frage:

Berlin. Während die Nation am Montagabend nach dem fürchterlichen Anschlag bestürzt ist und trauert, gibt es in den Social Medias aus der rechten Ecke reflexartig die ersten postfaktischen Schuldzuweisungen: Merkels Politik, die Flüchtlinge, die Muslime, usw.. Dabei fällt ein Tweet vom Pegida-Bachmann, 2 Stunden nach dem Attentat, ins Auge:

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Etwa zu dieser Zeit gab es die ersten Agenturmeldungen, dass ein Flüchtling afghanischer oder pakistanischer Herkunft als Tatverdächtiger festgenommen worden sei. Mittlerweile wissen wir, dass der Festgenommene als Täter ausscheidet und dass seit gestern nach dem 24jährigen Anis Amri aus Tunesien gefahndet wird, der 2011 als Minderjähriger über die italienische Insel Lampedusa nach Europa kam.

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Ich glaube per se nicht an Zufälle. Deshalb drängt sich mir die Frage auf: „Woher hatte Rechtsaußen-Bachmann seine Information? Kann es sein, dass die Polizei viel eher Hinweise auf diesen jetzt tatverdächtigen Tunesier hatte, als sie erklärt hat – und gibt es ein Leck in der Polizei?“

SMS

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Ist die ganze Welt „amok“?

Amok

Nizza, Würzburg, München, Ansbach, letzte Nacht Japan, heute Morgen Normandie. Das sind die letzten „Amok-Meldungen“ allein der vergangenen Tage. Wie viele Tote hat es zwischen der Amok-Tat in Nizza vor knapp zwei Wochen und der heute in der Normandie gegeben? Müssen wir uns an solche Meldungen – ein Screenshot von heute Morgen – gewöhnen?

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Und ist es nicht letztendlich egal, ob jemand als Terrorist bezeichnet wird, der „amok läuft“? Die Ergebnisse sind so oder so die gleichen. Die Diskussionen darüber scheinen mir manchmal auch mehr akademischer Natur zu sein. In einen „psychischem Ausnahmezustand“ sind alle Täter, sonst würden sie ihre Taten nicht ausüben.

Zu den Horrormeldungen gerade jetzt in der Urlaubszeit gehören auch die über schwere Verkehrsunfälle, hier ein Screenshot aus meiner regionalen PAZ vom 18. Juli.

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Lkw-Fahrer, die vorsätzlich die Abstandswarn- und Bremsassistenten an ihren Lkw ausschalten, sind für mich auch so etwas wie in einem „psychischen Ausnahmezustand“, weil sie dadurch in Kauf nehmen, bei einem Unfall Menschen schwer zu verletzen oder gar zu töten. Warum? Ist der Termin-Stress so groß?

Übrigens: In den letzten zwei Wochen sind statistisch rund 337.500 Menschen auf der Welt den Hungertod gestorben. Die meisten davon in Afrika. Das rufe ich bei alledem mal in Erinnerung, auch für die, die sich wundern, warum so viele Afrikaner nach Europa emigrieren wollen ….

SMS

Anschlag Nr. 15 in 15 Monaten: Brüssel

Heute Morgen, so gegen 9 Uhr. Ich bin dabei einen Kollegen anzurufen, als ich im Radio die Nachricht von dem Anschlag in Brüssel höre. So war meine erste Frage nach der Begrüßung, ob er mehr wüsste? „Twitter meldet mir 11 Tote und 25 Verletzte bei einer Explosion auf dem Brüsseler Flughafen. Das war wohl ein Terroranschlag.“ war seine lakonische Antwort. „Weißt du, der wievielte Anschlag das seit Januar 2015 in Europa, einschließlich Türkei, ist?“ Nein, ich wusste es nicht. „Das war heute Nr. 15 in 15 Monaten, bisher mit weit über 400 Toten, plus die von heute.“ Journalisten sind manchmal wie Buchhalter der schlimmen Nachrichten. „Und ohne Türkei?“ wollte ich wissen. „Sechs, zweimal Frankreich, zweimal Belgien, zweimal Bosnien, mit knapp 150 Toten, plus die von heute.“  Manchmal mag ich unseren Job nicht. Dennoch: That’s business.

Es ist traurig. Man könnte nun viel schreiben zu dem wie & warum, oder es sein lassen. Mein Kollege meinte noch zu mir: „Pass auf, es wird nicht lange dauern, dann kommt irgend ein Idiot und gibt Merkel die Schuld an den Anschlägen.“ Ich weiß gar nicht, wie ernst er das gemeint hat, aber ein paar Stunden später schickte er mir ein Bild zu, ein Facebook-Screenshot:

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Nun muss man wissen, das Vera Lengsfeld nicht irgendwer ist. Sie stammt aus der DDR-Bürgerrechtsbewegung, für ihre Verdienste erhielt sie 2008 das Bundesverdienstkreuz. Lengsfeld saß 15 Jahre im Bundestag – zwischen 1990 und 1996 für die Grünen, anschließend bis 2005 für die CDU. In der letzten Zeit wird ihr aber eine gewisse AfD-Pegida-Nähe nachgesagt – der Text würde das begründen, der passt zu den Bachmanns und Storchs dieser rechten Populisten.

Es ist kein guter Tag. Mittlerweile wissen wir, dass es 34 Tote sein sollen. Den Angehörigen gilt unser Mittgefühl. Auch den vielen Verletzten, denen wir gute Besserung wünschen. Der Tag wird auch nicht besser, dass die Lengsfeld ihren Eintrag wieder gelöscht haben soll. Vielleicht stand sie heute Morgen noch oder schon unter dem Einfluss berauschender Mittel.

SMS

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