„Gabriel macht gerade alles richtig“

Noch vor drei Wochen musste Sigmar Gabriel sich die Vorwürfe gefallen lassen, wegen bisher verborgener diplomatischer Fähigkeiten nicht zum Außenminister zu taugen.

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Und heute? Selbst die konservative Springer-WELT titelt gestern: „Sigmar Gabriel macht gerade alles richtig“, ein lesenswerte Kommentar von Torsten Krauel.

Auch seine diplomatisch-deutlichen Worte nach dem Treffen gestern mit seinem türkischen Amtskollegen Cavusoglu waren nicht von jedermann so erwartet worden: „Es gibt Grenzen“ …  (auf n-tv).

Dazu empfehle ich einen Artikel aus der Süddeutschen von heute Morgen:
Gabriel: „Rückfall in die Zeiten des Kalten Krieges um jeden Preis verhindern“

Entgegen so mancher Erwartung macht der Niedersachse Gabriel aus der Harz-Provinz Goslar als Außenminister tatsächlich eine gute Figur. Vielleicht liegt es daran, dass er nur noch dieses Amt hat und seit einigen Tagen zum dritten Mal Vater sein darf?

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Der unverstandene Herr Gabriel

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Ich könnte auch sagen: „Der unvollendete Herr Gabriel“. Als sicher kann gelten, dass er gerne Kanzler geworden wäre. Mit dem angekündigten Rücktritt vom Parteivorsitz und seinem Vorschlag, dass Martin Schulz diesen übernehmen und auch Kanzlerkandidat werden soll, hat er sich endgültig von dieser Vorstellung verabschiedet. Von daher bleibt er der „Unvollendete“.

Aber das nicht allein. Gabriel war bisher auch der „Unverstandene“. Besser gesagt, viele seiner Genossinnen und Genossen wollten ihn nicht verstehen. Andere auch, aber besonders hat er das in seiner eigenen Partei zu spüren bekommen. Unbestritten war sein Spagat zuletzt zwischen dem Parteivorsitz und dem Amt des Wirtschaftsministers schwierig. Das war oft genug ein Hin- und Herspringen zwischen dem, was er für die deutsche Wirtschaft gut gehalten hat, und dem, was seine Partei an Prinzipien vertritt. Verstanden haben viele in der SPD (und andere) bis heute nicht, dass man das eine in Kauf nehmen muss, wenn man das andere will. Wirtschaft folgt keinen Ideologien sondern der Realität. Inwieweit Martin Schulz besser gelingt das zu vermitteln bleibt abzuwarten.

Dieser Tage musste er sich zu allem die Vorwürfe gefallen lassen, wegen bisher verborgener diplomatischer Fähigkeiten nicht zum Außenminister zu taugen und die Frage, warum er das Amt überhaupt übernimmt, wenn er doch mehr Zeit für seine Familie haben möchte?

Ich halte so etwas für absolut scheinheilig! Erstens hat es in seinen Zeiten als Minister nicht eine einzige Klage über undiplomatisches Verhalten gegenüber anderen Diplomaten, bspw. bei Auslandsbesuchen, gegeben und zweitens hat er das Amt des Außenministers nur für rund ein Dreivierteljahr inne. Nach der Wahl am 24. September wird alles neu entschieden. Außerdem fällt der Parteivorsitz weg, er muss somit nicht mehr zwischen Parteizentrale und Ministerium wechseln – und sollte allein deshalb schon mehr Zeit in Goslar bei seiner Familie verbringen können als bisher. Zum Parteivorsitz sei noch erwähnt, dass er immerhin die SPD über viele Jahre zusammengehalten hat. Irgendwie, aber seine Vorgänger sind daran gescheitert. Bei allem was man über Gabriel sagen mag, über seine bisweilen unorthodoxe und flapsige Art, richtig, aber was Recht ist soll auch Recht bleiben!

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Die SPD und die Kanzlerkandiaten-Frage

In der Süddeutschen lese ich heute die Überschrift

SPD-Abgeordnete gegen Kanzlerkandidatur Gabriels

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Ohne den ganzen Artikel gelesen zu haben, frage ich mich spontan: „Wer denn sonst?“ Gleichzeitig erinnere ich mich an eine Bemerkung des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Albig von der SPD: Im letztjährigen Sommer meinte er, die SPD könne bei der nächsten Bundestagswahl auf einen eigenen Kanzlerkandidaten verzichten. Dafür wurde er natürlich von seinen „Genossinen und Genossen“ gescholten – aber mal ganz ehrlich: Wer außer Gebriel soll es denn machen? Oder will die Partei wieder jemanden auf das Schild heben, der – außer bei den Parteigängern selbst – keine Chance hat? Beispiele dafür gibt es einige. Und braucht die SPD als 20%-Partei überhaupt einen eigenen Kanzlerkandidaten? Reichen nicht ein oder zwei Spitzenkandidaten? Glaubt denn irgend jemand, die SPD könnte nach der Bundestagswahl im nächsten Jahr den Kanzler stellen?

Wer jetzt „ja“ sagt, der soll auch klipp und klar sagen, dass er für „Rot-Rot-Grün“ ist. Nur so wäre eine Mehrheit – wenn überhaupt – möglich. Alles andere ist Makulatur.

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Gabriel top, aber nur in der ZEIT

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„SPD-Chef Gabriel hat sich für eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz ausgesprochen. Außerdem solle die Partei von TV-Wahlkampfrunden ausgeschlossen werden.“ So heißt es in dem Anrisstext eines Artikels in der ZEIT vom 31. Januar.

Damit hat Gabriel etwas geschafft, was ihm sonst vergönnt ist: Er war nicht nur in der SPD die Nr. 1, er war bundesweit top, wenn auch nur kurzzeitig.

Zum Nachlesen:
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-01/gabriel-afd-verfassungsschutz

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