Auch der freieste Markt braucht Grenzen …

Quelle: Artikel in der SZ vom 01.10.2016

Quelle: Artikel in der SZ vom 01.10.2016

Ein Kommentar von Thomas Kistner gestern in der Süddeutschen: „Enthüllungen in England zeigen, dass dubiose Menschen mit Fußball-Transfers viel Geld verdienen, Profis werden zu millionenschweren Geldanlagen. Wundert das ernsthaft jemanden?“

Beim Lesen des Artikels fühle ich mich einmal mehr in meiner Auffassug bestätigt, dass der Sport anfängt dort „schmutzig“ zu werden, wo mit ihm Geld zu verdienen ist. Die Intransparenz – in diesem Fall wird es am Beispiel Fußball einmal mehr deutlich – der Sport-Organisationen und -Verbände leistet dem unwillkürlich Vorschub.

Ich habe zwar keine Ahnung, ob der „Transfrmarkt abgeschafft gehört“, aber in einem Satz stimme ich Kistner voll und ganz zu: „Auch der freieste Markt braucht Grenzen, sonst wird er anarchisch – oder mafiös, wenn dieser Markt auch noch in einem hermetisch geschlossenem System stattfindet.“

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EM – Nebenklänge

Zurzeit dreht sich – medial – wieder alles um den Fußball. Eine der beiden deutschen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, ARD oder ZDF, sendet im Wechsel mit der anderen gefühlt nur Fußball. Gefühlt ist auch jeder zweite Deutsche so etwas wie ein Bundestrainer, oder -trainerin, auf alle Fälle besserwissend. Mir gehen diese Diskussionen über die Spielaufstellungen, Taktiken usw. „gehörig auf den Sack“. An selbigem kratzen sich – laut dem Nationalspieler Podolski – 80 % der Männer, er auch, gibt er zu, so wie der Bundestrainer Löw, was zu sehen war. Und das auch noch bekleidet mit einem schlafanzugähnlichem grauen Shirt, statt im weißen Boss-Hemd – was wiederum die Chefs des renommierten Herrenausstatters mehr irritiert hat als der Griff in die Hose selbst.

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Link zum Beitrag auf sport1.de

Aber so sind die boulevardistischen und die sozialen Medien, das haben sie gemein: die Lust am Voyeurismus. Das ist keine neue Erkenntnis. Aber mittlerweile geht es so weit, dass nur darauf gewartet wird, dass etwas Peinliches passiert. Dass sich Prominente einen Fauxpas leisten – um dann auf dem Boulevard und vor allem bei Facebook & Co. hemmungslos loszuschlagen.

Als nichtsportbegeisterter Mensch stellt sich mir trotzdem die Frage, ob ein sich in aller Öffentlichkeit an seiner intimsten Stelle kratzender Bundestrainer eine schlechterer Trainer, oder gar Mensch ist? Die Antwort gebe ich mir schnell selbst: „Die Frage ist sinnfrei“.

Vielmehr sei die Frage erlaubt, ob solch eine reflexartige Handlung, die ich unterstelle weil es gejuckt oder der Slip gezwickt hat (welcher Mann kennt das nicht?), überhaupt gesendet werden muss? Und wenn das vielleicht doch so wichtig ist, dann kann der Fußball nicht so wichtig sein, wie viele dieser Tage meinen.

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Dabei sein ist alles

Johnny Knoxville

„Dabei sein ist alles“ meint meine Frau heute Morgen und legt die Zeitung zu Seite. Nach dem nächsten Schluck Kaffee antwortet sie meinem fragenden Gesichtsausdruck:

  • ESC, in dem Moment, wo die Entscheidung über den Sieg politisch wird, hat Deutschland keine Chance. Das war in diesem Jahr für mich wieder eine politische Abstimmung.
  • Sport, wenn ich in der Zeitung mal wieder lese, wie viele Sportler gedopt sein sollen, jetzt wieder die Russen bei den letzten olympischen Winterspielen in Sotschi, dann haben die ungedopten ehrlichen Sportler kaum eine Siegchance.
  • Fußball, der Mainzer Trainer Schmidt hat gesagt: „We are des Best of the Rest“. Die Bundesliga ist für mich ein Abbild unserer Gesellschaft: Die reichen Vereine werden immer reicher und der Rest versucht nicht abzusteigen.

Das kannst du doch nur aushalten wenn du dir sagst: „Dabei sein ist alles!“

Ich habe keine Widerworte, schon gar nicht morgens beim Frühstück.

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No sports

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Gestern Abend in der Stadt. Ich war unterwegs um noch etwas zu erledigen. Auf dem Weg kam ich an einer „Sportkneipe“ vorbei. „Sportkneipe“, welch Oxymoron, so wie „Hassliebe“. Im Inneren wurde offensichtlich auf einem überdimensionalem Fernseher ein Fußballspiel übertragen. Der gedämpften Stimmung nach hat die favorisierte Mannschaft wahrscheinlich nicht so gut gespielt. Das nenne ich dann mal „kollektives Abhängen mit Frustbetankung“.

Mich hat Sport nie interessiert und ich habe auch nie irgend eine Sportart betrieben. Mir ist es egal, welche Mannschaft wo spielt, auf- oder absteigt, wer wo ein „Match“ gewinnt oder verliert. Das ist so. Sich durch sportliche Anstrengungen zu verausgaben ist für mich reine Energieverschwendung. Also lasse ich es und verwende die Energie lieber für das, was ich als sinnvoller erachte – und was mir Freude bereitet.

War Sport jemals nur ein ehrliches Kräftemessen unter dem Motto: „Der Bessere soll gewinnen“? Nachzulesen ist, dass bereits die Griechen bei den ersten olympischen Spielen in der Antike betrogen haben sollen. „Sportehrlichkeit“, ein Oxymoron. Und heute? Es geht ums Geschäft, der Zuschauer soll bezahlen und die Sportler sind die Gladiatoren der Neuzeit, degradiert zu hochgezüchteten und jederzeit austauschbaren Werbeflächen, wenn der Ertrag nicht mehr stimmt. Korruption und Betrug sind an der Tagesordnung, die Medien sind voll davon. „Geld schießt Tore“ höre ich oft, wenn es um Fußball geht. Das mag stimmen. Um so mehr amüsiert es mich, wenn „das Geld“ vorne weniger Tore schießt als es hinten zulässt. Heute Morgen habe ich gelesen, dass gestern in der englischen Premier League der kleine Verein Leicester City mit 3 zu 1 gegen die Millionentruppe von Manchester City gewonnen hat und damit in der Tabelle deutlich auf Platz 1 steht. Das sind die Momente, wo ich auch beim Sport schmunzeln muss. Allerdings vergeht mir das sofort wieder, wenn ich auf der nächsten Zeitungsseite die neueste Entwicklung über die DFB-Beckenbauer-Niersbach-Korruptionsaffäre lese und dass der ehemalige DFB-Präsident Zwanziger nach einem aktuellen Gerichtsurteil den Ausrichter der Fußball-WM 2022, Katar, als ein „Krebsgeschwür des Weltfußballs“ bezeichnen darf. Nein, dann lieber „no sports“.

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