Panzer zu Traktoren

Als ich heute in einer unserer Regionalzeitungen blätterte und dieses Bild sah, habe ich nur meinen Kopf geschüttelt.

Friedenspanzer-PAZ-160208Screen

Ein „Friedenspanzer“? Was hat ein Panzer mit Frieden zu tun? Für mich ist das ein Oxymoron wie am Samstag die „Sportkneipe“, der innere Widerspruch in einem Wort. Dazu fällt mir ein Satz von George Orwell ein: „Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke.“ Nachzulesen in seinem Roman „1984“ von 1948.

„Nun gut“, denke ich mir, „immerhin ist der Panzer rosa, so wie das U-Boot in der Filmkomödie ‚Unternehmen Petticoat‘, sei tolerant und verbuche es unter Satire“.

Keine Satire und für mich nicht zu tolerieren ist das, was ich anschließend in der FAZ gesehen habe:

Fastnachtspanzer-FAZ-160208Screen

Fastnachtspanzer-usw-FAZ-160208Screen

Karneval hin, Karneval her, darüber kann ich nicht lachen. Aber vielleicht bin ich als Norddeutscher zu engstirnig und mit dem süddeutschen Faschings-Frohsinn nicht so vertraut. Dennoch: Früher sagte man „Schwerter zu Pflugscharen“, heute empfehle ich „Panzer zu Traktoren“. Mit Traktoren kann man nicht schießen, egal welche Farbe sie haben.

SMS

Advertisements

Flüchtlinge & Wirklichkeit: Fischereischutzboot wird Rettungsschiff

Aquarius x1200

Zeitungsleser können in den letzten Monaten schauen wo sie wollen, das Thema Flüchtlinge, mit sämtlichen Facetten, ist allgegenwärtig. Dabei wird uns Journalisten oft eine unausgewogene Berichterstattung vorgeworfen und dass wir unsere Glaubwürdigkeit mittlerweile verspielt haben. Vielleicht gehe ich später einmal auf diese Kritik ein. Ich bitte beim Lesen jedoch darauf zu achten, ob es sich um eine Nachricht, einen Kommentar oder eine Kolumne handelt.

Wenn z.B. Sascha Lobo in seiner SPIEGEL-Kolumne schreibt:
”Was sich an Schwachsinn in die sozialen Medien ergießt, ist mittlerweile nicht mehr auszuhalten.”,
dann ist das seine persönliche Meinung und nicht zwingend die offizielle der SPIEGEL-Redaktion oder gar des Verlages.

Nachrichten hingegen müssen gut recherchiert und durch Quellen belegbar sein. Sie sollten – eine der zehn Thesen des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau für guten Journalismus – die Wirklichkeit abbilden. Zur Wirklichkeit zum Thema Flüchtlinge gehört auch diese:
”Das Mittelmeer hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der Hauptfluchtrouten von Flüchtlingen nach Europa entwickelt. Bei dem Versuch das Mittelmeer in dafür ungeeigneten alten Schiffen und Schlauchbooten zu überqueren, sind in den Jahren 2010 bis 2014 mindestens 23.000 Menschen ums Leben gekommen (Quelle: The Migrant Files). Allein im Jahr 2015  starben bei der Überquerung des Mittelmeeres mehr als 3.700 Menschen. 2016 sind bereits im ersten Monat nahezu 250 Menschen ums Leben gekommen oder gelten als vermisst (Quelle: UNHCR).”

Übernommen habe ich diesen Text von der Website der Hilfsorganisation SOS MEDITERRANEE. “Angesichts der dramatischen Zunahme von Seenotfällen und der unzureichenden Gegenmaßnahmen will SOS MEDITERRANEE Seenotrettungsaktionen im Mittelmeer durchführen und regelmäßig über die Lage der Flüchtlinge berichten”, heißt es dort weiter. Aus dem Grund haben die Helfer die 77 m lange MS AQUARIUS gechartert, ein ehemaliges Fischereischutzboot mit Platz für bis zu 500 Flüchtlingen, um dort zu retten und zu helfen, wo die EU-Staaten im Mittelmeer versagen. Finanziert wird die Rettungsaktion allein durch Spenden.

SOS-Mediterranee-1

„Wir haben unseren Wohlstand auf dem Rücken der Entwicklungsländer aufgebaut. Das wird nicht mehr lange gut gehen. Diese Spannungen entladen sich”, so Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) am 10. Januar gegenüber der FAZ. Weiter: “Die Menschen fliehen vor Hunger, Elend, Gewalt und weil sie keine Zukunft für sich und ihre Familien sehen. Wenn die Menschen leiden, werden sie kommen.“ Bildet diese Aussage in der FAZ die Wirklichkeit ab, oder ist sie nur die Aussage eines Bundesministers?

SMS

%d Bloggern gefällt das: