Olympia: F the cheaters – but which ones?

Ein Mitbringsel. Aus der Irish Times vom 18. August über Betrügereien und Doping bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio:

THE IRISH TIMES -160818

zum Originalartikel ->

Anmerkung: Der dem Russen Nikitin unterlegene irische Boxer Conlan machte im Anschluss den Punktrichtern massive Betrugsvorwürfe: „Sie sind verdammte Betrüger! Sie lassen sich von jedem kaufen.“ Der Weltverband AIBA reagierte und gab zu, dass es im Turnier „weniger als eine Handvoll“ falscher Entscheidungen gegeben habe. Die zuständigen Schieds- und Punktrichter wurden suspendiert.

When Michael Conlan raised both of his middle fingers in the ring after his “defeat” to Vladimir Nikitin, the message was clear: F the cheats. Nikitin was so beat up that he skipped the semi-final, giving his competitor Shakur Stevenson a walkover and taking a bronze medal.

Als Michael Conlan seine beiden Mittelfinger im Ring nach seiner „Niederlage“ gegen Vladimir Nikitin erhob, war die Botschaft klar: F die Betrüger. Nikitin wurde so geschlagen, dass er das (folgende) Halbfinale absagen musste, sein (nächster) Gegner Shakur Stevenson so ein Freilos erhielt und eine Bronzemedaille gewann.

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Anmerkung: Jamaikas Leichtathletik-Superstar Usain Bolt ist einfach zu schnell, um über jeden Doping-Verdacht erhaben zu sein, mumaßt die Zeitung weiter:

One of the strange professional and fan attitudes towards this and every Olympics is that certain athletes are „too big to be dirty“. That’s ridiculous, especially when you look at the massive stars in sport who have cheated. … The best way of illustrating how remarkable Bolt’s speed is, is by looking at the 30 fastest 100m times ever, nine of which have been run by Bolt. The top three have been run by Bolt. The 21 other fastest times ever were all run by athletes who tested positive for doping at some stage. … Is Bolt so much of an anomaly that he is able to run faster than athletes who have doped? Let’s hope so, let’s hope he’s just that naturally amazing.

Eine der fragwürdigen Haltungen der Fans und Fachleute in Bezug auf diese und alle Olympischen Spielen ist folgende: Bestimmte Athleten sind „zu groß, um unsauber zu sein“. Das ist lächerlich, insbesondere wenn man sich all die Superstars im Sport vor Augen hält, die betrogen haben. … Wie unglaublich schnell Bolt ist, zeigt sich am ehesten, wenn man die 30 schnellsten 100-Meter-Sprints aller Zeiten analysiert. Neun davon stammen von Bolt. Er lief die drei besten. Die 21 anderen stammen allesamt von Athleten, die irgendwann einmal des Dopings überführt wurden. … Ist Bolt eine solche Ausnahmeerscheinung, dass er schneller als alle Athleten laufen kann, die gedopt haben? Lasst es uns hoffen, lasst uns hoffen, dass er von Natur aus so unglaublich ist.

Ja, F die Betrüger – die Frage ist in der Tat, welche? Solange die Antidopingargenturen nicht ihren Job machen, oder machen können, so wie sie ihn machen müssten, solange es Betrügereien gibt, solange stehen die Olympischen Spiele (wie auch andere Sport-Großverantsaltungen) in einem fragwürdigem Ruf und mindestens die siegreichen Sportler stehen alle unter Generalverdacht. Weltweit!

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Ein Leak ist ein Leck ist ein Loch

Nennen sie es wie sie wollen, aber wenn etwas „undicht“ ist, dann ist das meist nicht gut. Das wissen wir nicht erst seit dem berühmtesten Schiffsunglück aller Zeiten. Wie auf der Titanic, nach der Kollision mit einem Eisberg, mögen sich aktuell auch viele Inhaber von Briefkasten-Firmen vorkommen.

Untergang der Titanic - im Buddelschiff

Der Untergang der Titanic im Buddelschiff

Islands Premier Sigmundur David Gunnlaugsson ist bereits „untergegangen“. Nach den Enthüllungen der Panama Papers hat er heute seinen Rücktritt angekündigt. Was wird noch folgen?

Dabei müssen wir festhalten, dass allein die Gründung einer Firma irgendwo auf der Welt nicht strafbar ist. Grundsätzlich sind sogar Konstruktionen möglich, bei der ein Kunde weder wirtschaftlich Berechtigter noch Kontoinhaber ist. Das setzt jedoch die Einschaltung von Dritten und ein absolutes Vertrauen in diese Personen voraus.

Solange jeder seine im Ausland erzielten Gewinne versteuert, ist alles legitim. Gerne verweisen Politiker dabei auf den 2014 beschlossenen automatisierten Austausch von Steuerdaten zwischen rund 100 Staaten. Allerdings vermittelt der Panama-Skandal einmal mehr den Eindruck, dass diese Gesetze nur für Normalbürger gelten, während die Eliten ihren eigenen Regeln folgen – und oft Firmen in den restlichen rund 100 Staaten dieser Welt unterhalten, mit denen es keinen Steuerdatenaustausch gibt.

Die aktuell in den Fokus geratene panamaische Kanzlei Mossack Fonseca bietet nach eigenem Verständnis keine Lösungen an, um gegen Gesetze zu verstoßen. Vielmehr unterscheidet sie zwischen der illegalen Steuerflucht und der Steuervermeidung. Ziel sei es, die Vorteile bestehender Gesetze – sprich (Steuer)-Löcher – zu nutzen. Diese Argumentation ist nicht neu, ihrer bedienen sich multinationale Großkonzerne von A, wie Amazon und Apple, über Google, Ikea Microsoft, Starbucks, bis Z, wie Zalando. Wenn es so wäre, wäre das zwar nicht schön, aber letztlich legal.

Warum dann die Aufregung, das große mediale Interesse? Weil wieder die Banken im Verdacht stehen, systematische Beihilfe zur Steuerhinterziehung und auch zur Geldwäsche geleistet zu haben – denn eine Firma, egal wo auf der Welt, ergibt erst dann einen Sinn, wenn es auch Banken gibt, die deren Konten führen. Das selbstverständlich gegen entsprechende (hohe) Gebühren. Hauptschuldige bleiben jedoch immer die, die sich der Banken bedienen und später nicht ihrer Steuerpflicht nachkommen. Das sind die eigentlichen Betrüger, andere haben als Helfer „nur die Mittel“ bereitgestellt.

Eingangs stellte ich die Frage „was wird noch folgen?“. Das kommt auch darauf an, ob die von einem anonymen Whistleblower der Süddeutschen Zeitung zugespielten Daten an die jeweiligen Ermittlungsbehörden weitergegeben werden. Sonst wird es bei vielen Verdachtsfällen bleiben, auch unbegründeten, denn nichts ist bewiesen.

In seiner gestrigen Kolumne schreibt Jakob Augstein:

Der globale Kapitalismus macht die ganze Welt zum Spielplatz der Reichen. Die Panama Papers erinnern daran: Nicht die Flüchtlinge sind unser Problem – sondern die Steuerflüchtlinge.

Ist jemand anderer Meinung?

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No sports

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Gestern Abend in der Stadt. Ich war unterwegs um noch etwas zu erledigen. Auf dem Weg kam ich an einer „Sportkneipe“ vorbei. „Sportkneipe“, welch Oxymoron, so wie „Hassliebe“. Im Inneren wurde offensichtlich auf einem überdimensionalem Fernseher ein Fußballspiel übertragen. Der gedämpften Stimmung nach hat die favorisierte Mannschaft wahrscheinlich nicht so gut gespielt. Das nenne ich dann mal „kollektives Abhängen mit Frustbetankung“.

Mich hat Sport nie interessiert und ich habe auch nie irgend eine Sportart betrieben. Mir ist es egal, welche Mannschaft wo spielt, auf- oder absteigt, wer wo ein „Match“ gewinnt oder verliert. Das ist so. Sich durch sportliche Anstrengungen zu verausgaben ist für mich reine Energieverschwendung. Also lasse ich es und verwende die Energie lieber für das, was ich als sinnvoller erachte – und was mir Freude bereitet.

War Sport jemals nur ein ehrliches Kräftemessen unter dem Motto: „Der Bessere soll gewinnen“? Nachzulesen ist, dass bereits die Griechen bei den ersten olympischen Spielen in der Antike betrogen haben sollen. „Sportehrlichkeit“, ein Oxymoron. Und heute? Es geht ums Geschäft, der Zuschauer soll bezahlen und die Sportler sind die Gladiatoren der Neuzeit, degradiert zu hochgezüchteten und jederzeit austauschbaren Werbeflächen, wenn der Ertrag nicht mehr stimmt. Korruption und Betrug sind an der Tagesordnung, die Medien sind voll davon. „Geld schießt Tore“ höre ich oft, wenn es um Fußball geht. Das mag stimmen. Um so mehr amüsiert es mich, wenn „das Geld“ vorne weniger Tore schießt als es hinten zulässt. Heute Morgen habe ich gelesen, dass gestern in der englischen Premier League der kleine Verein Leicester City mit 3 zu 1 gegen die Millionentruppe von Manchester City gewonnen hat und damit in der Tabelle deutlich auf Platz 1 steht. Das sind die Momente, wo ich auch beim Sport schmunzeln muss. Allerdings vergeht mir das sofort wieder, wenn ich auf der nächsten Zeitungsseite die neueste Entwicklung über die DFB-Beckenbauer-Niersbach-Korruptionsaffäre lese und dass der ehemalige DFB-Präsident Zwanziger nach einem aktuellen Gerichtsurteil den Ausrichter der Fußball-WM 2022, Katar, als ein „Krebsgeschwür des Weltfußballs“ bezeichnen darf. Nein, dann lieber „no sports“.

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