Morgens im Büro

Es ist viertel nach acht. Im Radio auf NDR2 läuft die Versteigerung eines Bildes von Udo Lindenberg im Rahmen der Spendenaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“. Im letzten Jahr betrug der Gesamterlös 27.416,31 € zugunsten der Flüchtlingshilfe. In diesem Jahr wird der Auktionserlös dem Deutschen Hospiz- und Palliativverband zugute kommen. Insgesamt werden 34 Zeichnungen bekannter Künstler und Sportler zum Erwerb angeboten.

Jetzt, 10 Minuten vor Auktionsschluss um acht Uhr dreißig, meldet der Moderator „sagenhafte“ 20.000 € und einen Cent als aktuelles Höchstgebot.

Ich bin gespannt. Mitbieten kann ich nicht, die Summe bewegt sich weit außerhalb meiner Gehaltsklasse. Während ich auf das Ergebnis warte, zwei Sachen:

„Postfaktisch“ ist zum Wort des Jahres 2016 gekürt worden. Warum? Nur weil es ein neu gebräuchlicher Begriff ist? „Postfaktisch“ gab es schon immer, nur nannte man es früher Lügen, Märchen oder eine haltlose Behauptung. Neu ist das also nicht, Unwahrheiten, Populismus und Intrigen gibt es seit Menschengedenken.

Olympia-Aus für ARD und ZDF: Die letzten Olympischen Spiele waren vorerst die letzten, über die – mit großem Aufwand – unsere öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten berichtet haben. Ist das schlimm? Nein! Zum einen werden andere Sender übertragen, zum anderen gilt es auch sorgsam mit unseren Gebühren umzugehen. Nicht jeden interessiert der von Korruption und Doping verseuchte Sport. Schon gar nicht die aufgeblähten Großveranstaltungen, zumal wenn sie sich auch noch nachteilig auf die heimische Bevölkerung auswirken. Das Aus ist die große Chance für ARD und ZDF, hintergründig und kritisch auf den Sport zu schauen. Vielleicht interessieren sich dann auch wieder mehr Menschen dafür.

Nun das Resultat – und ich finde die Spendenbereitschaft großartig:

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Auch der freieste Markt braucht Grenzen …

Quelle: Artikel in der SZ vom 01.10.2016

Quelle: Artikel in der SZ vom 01.10.2016

Ein Kommentar von Thomas Kistner gestern in der Süddeutschen: „Enthüllungen in England zeigen, dass dubiose Menschen mit Fußball-Transfers viel Geld verdienen, Profis werden zu millionenschweren Geldanlagen. Wundert das ernsthaft jemanden?“

Beim Lesen des Artikels fühle ich mich einmal mehr in meiner Auffassug bestätigt, dass der Sport anfängt dort „schmutzig“ zu werden, wo mit ihm Geld zu verdienen ist. Die Intransparenz – in diesem Fall wird es am Beispiel Fußball einmal mehr deutlich – der Sport-Organisationen und -Verbände leistet dem unwillkürlich Vorschub.

Ich habe zwar keine Ahnung, ob der „Transfrmarkt abgeschafft gehört“, aber in einem Satz stimme ich Kistner voll und ganz zu: „Auch der freieste Markt braucht Grenzen, sonst wird er anarchisch – oder mafiös, wenn dieser Markt auch noch in einem hermetisch geschlossenem System stattfindet.“

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Olympia: F the cheaters – but which ones?

Ein Mitbringsel. Aus der Irish Times vom 18. August über Betrügereien und Doping bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio:

THE IRISH TIMES -160818

zum Originalartikel ->

Anmerkung: Der dem Russen Nikitin unterlegene irische Boxer Conlan machte im Anschluss den Punktrichtern massive Betrugsvorwürfe: „Sie sind verdammte Betrüger! Sie lassen sich von jedem kaufen.“ Der Weltverband AIBA reagierte und gab zu, dass es im Turnier „weniger als eine Handvoll“ falscher Entscheidungen gegeben habe. Die zuständigen Schieds- und Punktrichter wurden suspendiert.

When Michael Conlan raised both of his middle fingers in the ring after his “defeat” to Vladimir Nikitin, the message was clear: F the cheats. Nikitin was so beat up that he skipped the semi-final, giving his competitor Shakur Stevenson a walkover and taking a bronze medal.

Als Michael Conlan seine beiden Mittelfinger im Ring nach seiner „Niederlage“ gegen Vladimir Nikitin erhob, war die Botschaft klar: F die Betrüger. Nikitin wurde so geschlagen, dass er das (folgende) Halbfinale absagen musste, sein (nächster) Gegner Shakur Stevenson so ein Freilos erhielt und eine Bronzemedaille gewann.

Tweet-mickconlan11-160817

Anmerkung: Jamaikas Leichtathletik-Superstar Usain Bolt ist einfach zu schnell, um über jeden Doping-Verdacht erhaben zu sein, mumaßt die Zeitung weiter:

One of the strange professional and fan attitudes towards this and every Olympics is that certain athletes are „too big to be dirty“. That’s ridiculous, especially when you look at the massive stars in sport who have cheated. … The best way of illustrating how remarkable Bolt’s speed is, is by looking at the 30 fastest 100m times ever, nine of which have been run by Bolt. The top three have been run by Bolt. The 21 other fastest times ever were all run by athletes who tested positive for doping at some stage. … Is Bolt so much of an anomaly that he is able to run faster than athletes who have doped? Let’s hope so, let’s hope he’s just that naturally amazing.

Eine der fragwürdigen Haltungen der Fans und Fachleute in Bezug auf diese und alle Olympischen Spielen ist folgende: Bestimmte Athleten sind „zu groß, um unsauber zu sein“. Das ist lächerlich, insbesondere wenn man sich all die Superstars im Sport vor Augen hält, die betrogen haben. … Wie unglaublich schnell Bolt ist, zeigt sich am ehesten, wenn man die 30 schnellsten 100-Meter-Sprints aller Zeiten analysiert. Neun davon stammen von Bolt. Er lief die drei besten. Die 21 anderen stammen allesamt von Athleten, die irgendwann einmal des Dopings überführt wurden. … Ist Bolt eine solche Ausnahmeerscheinung, dass er schneller als alle Athleten laufen kann, die gedopt haben? Lasst es uns hoffen, lasst uns hoffen, dass er von Natur aus so unglaublich ist.

Ja, F die Betrüger – die Frage ist in der Tat, welche? Solange die Antidopingargenturen nicht ihren Job machen, oder machen können, so wie sie ihn machen müssten, solange es Betrügereien gibt, solange stehen die Olympischen Spiele (wie auch andere Sport-Großverantsaltungen) in einem fragwürdigem Ruf und mindestens die siegreichen Sportler stehen alle unter Generalverdacht. Weltweit!

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The show must go on

Brasilien. Rio. Olympische Sommerspiele 2016. Die Eröffnungsfeier mit dem Aufruf zu einer nachhaltigen Lebensweise mag ja ganz nett gewesen sein, aber das aus dem Munde der ständig Regenwald vernichtenden Brasilianer ist etwa so, als wenn Dracula zur Blutspende aufrufen würde. Aber ok, besser als nichts.

Olymipa-Skepsis-Helden-SZ160806

Der Rest: Doping, Korruptionsvorwürfe, Spiele auf Kosten der notleidenden Bevölkerung, usw., usw.. Gegen die brasilianische Präsidentin Rousseff läuft ein Amtsenthebungsverfahren und das Internationale Olympische Komitee (IOC) um den deutschen Präsidenten Thomas Bach hat bisher auch eher eine unglückliche Figur abgegeben. Vorsichtig ausgedrückt. Andere nennen es so: “So ein Chaos hat es seit 1896 nicht gegeben!”  Aber, egal wie: “The show must go on!” Und hinter jedem Sieger wird wegen des allgegenwärtigen Doping-Themas ein Fragezeichen stehen ….

Unter diesen Umständen bleibe ich dabei: “No sports” Zwinkerndes Smiley

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EM – Nebenklänge

Zurzeit dreht sich – medial – wieder alles um den Fußball. Eine der beiden deutschen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, ARD oder ZDF, sendet im Wechsel mit der anderen gefühlt nur Fußball. Gefühlt ist auch jeder zweite Deutsche so etwas wie ein Bundestrainer, oder -trainerin, auf alle Fälle besserwissend. Mir gehen diese Diskussionen über die Spielaufstellungen, Taktiken usw. „gehörig auf den Sack“. An selbigem kratzen sich – laut dem Nationalspieler Podolski – 80 % der Männer, er auch, gibt er zu, so wie der Bundestrainer Löw, was zu sehen war. Und das auch noch bekleidet mit einem schlafanzugähnlichem grauen Shirt, statt im weißen Boss-Hemd – was wiederum die Chefs des renommierten Herrenausstatters mehr irritiert hat als der Griff in die Hose selbst.

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Link zum Beitrag auf sport1.de

Aber so sind die boulevardistischen und die sozialen Medien, das haben sie gemein: die Lust am Voyeurismus. Das ist keine neue Erkenntnis. Aber mittlerweile geht es so weit, dass nur darauf gewartet wird, dass etwas Peinliches passiert. Dass sich Prominente einen Fauxpas leisten – um dann auf dem Boulevard und vor allem bei Facebook & Co. hemmungslos loszuschlagen.

Als nichtsportbegeisterter Mensch stellt sich mir trotzdem die Frage, ob ein sich in aller Öffentlichkeit an seiner intimsten Stelle kratzender Bundestrainer eine schlechterer Trainer, oder gar Mensch ist? Die Antwort gebe ich mir schnell selbst: „Die Frage ist sinnfrei“.

Vielmehr sei die Frage erlaubt, ob solch eine reflexartige Handlung, die ich unterstelle weil es gejuckt oder der Slip gezwickt hat (welcher Mann kennt das nicht?), überhaupt gesendet werden muss? Und wenn das vielleicht doch so wichtig ist, dann kann der Fußball nicht so wichtig sein, wie viele dieser Tage meinen.

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Dabei sein ist alles

Johnny Knoxville

„Dabei sein ist alles“ meint meine Frau heute Morgen und legt die Zeitung zu Seite. Nach dem nächsten Schluck Kaffee antwortet sie meinem fragenden Gesichtsausdruck:

  • ESC, in dem Moment, wo die Entscheidung über den Sieg politisch wird, hat Deutschland keine Chance. Das war in diesem Jahr für mich wieder eine politische Abstimmung.
  • Sport, wenn ich in der Zeitung mal wieder lese, wie viele Sportler gedopt sein sollen, jetzt wieder die Russen bei den letzten olympischen Winterspielen in Sotschi, dann haben die ungedopten ehrlichen Sportler kaum eine Siegchance.
  • Fußball, der Mainzer Trainer Schmidt hat gesagt: „We are des Best of the Rest“. Die Bundesliga ist für mich ein Abbild unserer Gesellschaft: Die reichen Vereine werden immer reicher und der Rest versucht nicht abzusteigen.

Das kannst du doch nur aushalten wenn du dir sagst: „Dabei sein ist alles!“

Ich habe keine Widerworte, schon gar nicht morgens beim Frühstück.

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No sports

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Gestern Abend in der Stadt. Ich war unterwegs um noch etwas zu erledigen. Auf dem Weg kam ich an einer „Sportkneipe“ vorbei. „Sportkneipe“, welch Oxymoron, so wie „Hassliebe“. Im Inneren wurde offensichtlich auf einem überdimensionalem Fernseher ein Fußballspiel übertragen. Der gedämpften Stimmung nach hat die favorisierte Mannschaft wahrscheinlich nicht so gut gespielt. Das nenne ich dann mal „kollektives Abhängen mit Frustbetankung“.

Mich hat Sport nie interessiert und ich habe auch nie irgend eine Sportart betrieben. Mir ist es egal, welche Mannschaft wo spielt, auf- oder absteigt, wer wo ein „Match“ gewinnt oder verliert. Das ist so. Sich durch sportliche Anstrengungen zu verausgaben ist für mich reine Energieverschwendung. Also lasse ich es und verwende die Energie lieber für das, was ich als sinnvoller erachte – und was mir Freude bereitet.

War Sport jemals nur ein ehrliches Kräftemessen unter dem Motto: „Der Bessere soll gewinnen“? Nachzulesen ist, dass bereits die Griechen bei den ersten olympischen Spielen in der Antike betrogen haben sollen. „Sportehrlichkeit“, ein Oxymoron. Und heute? Es geht ums Geschäft, der Zuschauer soll bezahlen und die Sportler sind die Gladiatoren der Neuzeit, degradiert zu hochgezüchteten und jederzeit austauschbaren Werbeflächen, wenn der Ertrag nicht mehr stimmt. Korruption und Betrug sind an der Tagesordnung, die Medien sind voll davon. „Geld schießt Tore“ höre ich oft, wenn es um Fußball geht. Das mag stimmen. Um so mehr amüsiert es mich, wenn „das Geld“ vorne weniger Tore schießt als es hinten zulässt. Heute Morgen habe ich gelesen, dass gestern in der englischen Premier League der kleine Verein Leicester City mit 3 zu 1 gegen die Millionentruppe von Manchester City gewonnen hat und damit in der Tabelle deutlich auf Platz 1 steht. Das sind die Momente, wo ich auch beim Sport schmunzeln muss. Allerdings vergeht mir das sofort wieder, wenn ich auf der nächsten Zeitungsseite die neueste Entwicklung über die DFB-Beckenbauer-Niersbach-Korruptionsaffäre lese und dass der ehemalige DFB-Präsident Zwanziger nach einem aktuellen Gerichtsurteil den Ausrichter der Fußball-WM 2022, Katar, als ein „Krebsgeschwür des Weltfußballs“ bezeichnen darf. Nein, dann lieber „no sports“.

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