ProSiebenSat.1-Zuschauer „fettleibig und ein bisschen arm“

Ausschnitt SPIEGEL ONLINE vom 15.11.2017 (Bild ist mit dem Artikel verlinkt).

Zielgruppe für ProSiebenSat.1: „Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen. Das ist eine Kernzielgruppe, die sich nicht ändert.“

Jedenfalls sagt das so Konzernchef Thomas Ebeling. Ich widerspreche ihm nicht.

 

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Nachrechnen bei der „Abwrackprämie“ für alte Diesel

Die meisten Autokonzerne bieten mittlerweile den Alt-Diesel-Besitzern eine Prämie an, wenn sie ihren alten Stinker verschrotten lassen und sich einen saubereren Neuwagen kaufen. So wirbt VW mit bis zu 10.000 € Preisnachlass. Eine Übersicht gibt es in der AUTO-Zeitung, Stand 10.08.2017 (Bild ist verlinkt):

Aber Vorsicht: Was gut klingt, muss nicht gut sein. So sind die Umstiegsprämien je nach Hersteller gestaffelt und an gewisse Voraussetzungen gebunden. Beispielsweise bieten die VW-Töchter Seat und Skoda für einen Ibiza oder einen Fabia 3.000 € Nachlass an. Einen solchen Rabatt kann man aber unter Umständen selbst aushandeln – oder bei einem Online-Händler erzielen (hier am Beispiel vom Autohaus24):

Nachrechnen lohnt sich also in jedem Fall. Dazu kommt der Wert des Altautos. Ein Händler versichert: „Für einen 12 Jahre alten Euro-4-Diesel in einem einigermaßen passablen Zustand sollten sich im Privatverkauf bestimmt noch 1.500 € erzielen lassen. Wenn der Käufer dadurch einen noch älteren Euro-3-Diesel verschrottet, ist auch der Umwelt gedient.“

Eine solche Aussage bezieht sich sicher nur auf ländliche Gebiete und nicht auf Großstädte, in denen Fahrverbote für ältere Diesel drohen. Dazu ein Hinweis: Wer seinen älteren Diesel umtauschen möchte, der sollte noch ein paar Wochen warten. Hintergrund: Ab September gilt die neue Euro-6d-Norm und diese Autos müssen nicht nur auf dem Prüfstand im Labor, sondern auch auf der Straße (halbwegs) sauber sein.

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Diesel – Wut und Ratlosigkeit

Als Niedersachse fahre ich VW und als Vielfahrer Diesel. Das Auto ist vier Jahre alt und entspricht der Euro 5 Norm. Oder besser: es sollte dieser Norm entsprechen. Nun wissen wir, dass die neuen Diesel-Modelle im Realbetrieb teilweise mehr schädliche Stickoxide ausstoßen als die älteren nach Euro 4 Norm.

Ich fühle mich betrogen. Und ich bin wütend. Wir mögen vielen Konzernen moralisch vorwerfen, dass sie alle möglichen Steuerschlupflöcher nutzen und das dann „Steueroptimierung“ nennen. Das schadet nur den Steuereinahmen des Staates. Wenn aber die Automobilkonzerne alle möglichen Schlupflöcher bei den Zulassungsverfahren für ihre Diesel-Modelle nutzen und Fahrzeuge auf den Markt bringen, die real viel mehr die Umwelt verschmutzen, als sie es nach den Richtlinien dürften, das dann „Motoroptimierung“ nennen, dann ist das nicht nur moralisch verwerflich, sondern eine billigend in Kauf genommene Beeinträchtigung der Lebensqualität bis hin zur Gesundheitsschädigung der Menschen durch unsaubere Luft. Um die Grenzwerte für saubere Luft insbesondere für die Bewohner der großen Städten einzuhalten, können die Gerichte nicht anders entscheiden, als auf Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge (ohne der möglicherweise kommenden „blauen Plakette“) zu bestehen.

Ratlos macht mich, wie ich damit umgehen soll? Der „Diesel-Gipfel“ vorgestern hat leider nicht zu einem verpflichteten Hardware-Update der Hersteller an den betroffenen Diesel-Pkw geführt. Soll ich mein Fahrzeug jetzt selber nachrüsten lassen, so wie es von der Firma Twintec vorgestellt wurde? Ich bin skeptisch. Mir fehlen dazu noch Testergebnisse und eine Ausgabe von 1.500 € will überlegt sein. Genauso skeptisch bin ich allerdings auch gegenüber den Software-Updates durch die Hersteller. Die sollen zwar nichts kosten, aber wenn es dadurch zu Schäden am Motor kommt, dann kann es teuer werden. Anderseits erfährt mein Auto gerade einen erheblichen Wertverlust und eine „blaue Plakette“ würde ich ohne weitere Maßnahmen sicher nicht erhalten. Damit tendiert der persönliche Wert des Autos für mich gen null.

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2. Juni 1967 – Erinnerung an Benno O.

… Am 2. Juni 1967 wurde der damals 26-jährige Student Benno Ohnesorg bei der Teilnahme an einer Demonstration gegen den Staatsbesuch des iranischen Schah Reza Pahlavi erschossen. Erschossen von dem später als Stasi-Spitzel enttarnten Polizisten Kurras. Der wurde für seine Tat nachweislich mit Hilfe von Falschaussagen und erheblichen polizeilichen Manipulationen nie zur Verantwortung gezogen. Das trug erheblich zur Ausweitung und teilweisen Radikalisierung der westdeutschen Studentenbewegung bei. …

Quelle: 2. Juni 1967 – Erinnerung an Benno O. | von Sven Meier

Dazu auf der NDR-Kultur-Seite:
Zufallsfund: Film von Ohnesorg-Beerdigung in Hannover entdeckt
http://www.ndr.de/kultur/geschichte/Zufallsfund-Film-von-Ohnesorg-Beerdigung-entdeckt,ohnesorg108.html

Tachojustierung

Geben Sie bei Google einmal den Suchbegriff „Tachojusierung“ ein. Sie werden sich wundern. Oder auch nicht, denn es ist längst kein Geheimnis mehr, dass in unseren zunehmend digitalisierten Autos so ziemlich alles verändert werden kann, was sich digital verändern lässt. Auch die Anzeige im Tacho über die Laufleistung.

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Peinlich ist es allerdings, wenn ein Händler Fotos vom Auto vor einer „Tachojustierung“ macht und im Anzeigentext nur rund die Hälfte der Kilometer angegeben ist, als auf einem Foto erkennbar sind. Denn auch das ist die Digitalisierung: Ein Bild kann mehr Informationen enthalten, als im Internet auf den ersten Blick erkennbar.

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Schulz, schon aus und vorbei?

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Diese Frage stellt Philipp Wittrock aus der SPIEGELONLINE-Redaktion. Weiter:

Es steht 0:3! Die SPD hat die dritte Landtagswahl in diesem Jahr verloren. Dabei hatten die Genossen nach der überraschend klaren Niederlage im Saarland zwei Siege in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen eingepreist. Aber nichts da – auch in Nordrhein-Westfalen, eigentlich Stammland der Sozialdemokraten, hat es nicht gereicht.  …

Wittrock gibt sechs Antworten auf die weitere Frage: Was bedeutet dieses Wahlergebnis – für das Land und für die Bundestagswahl im September?

Das Lesen kann zur Meinungsbildung hilfreich sein. Und warum selbst überlegen, wenn die Antworten im SPIEGEL stehen …?

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Welt anschauen und die „alternativen Fakten“ sehen

Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.

„Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.“

Wer sich dieser Tage die Welt anschaut, muss dadurch nicht zwangsläufig eine Weltanschauung haben. Zwar ist es im heutigen Medienzeitalter einfacher in die Welt zu schauen als zu Zeiten eines Alexander Freiherr von Humboldts, aber dennoch undurchsichtiger.

„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazu gehört.“ Das hat der legendäre Hanns Joachim Friedrichs einmal gesagt. Soweit es um Nachrichten geht, also die reine wertfreie Mitteilungen über den verifizierten Sachverhalt von allen Neuigkeiten, hat der Satz nach wie vor Gültigkeit – und sollte die Leitlinie für alle Journalisten sein. Leider sind diese Nachrichten kaum (noch) von den vielen, eine Meinung wiedergebenden, Kommentaren und Kolumnen in den Medien zu unterscheiden. Und da nicht jeder Jedermanns Meinung ist, schon gar nicht der von studierten Journalisten, ist der Weg zur „Lügenpresse“ nicht mehr weit. Oder, ganz aktuell, es wird von „alternativen Fakten“ gesprochen. Welch ein Oxymoron! Das ist wie „Flüssiggas“, zwei sich gegenseitig ausschließende Aggregatzustände. Unbedarft kann man heute so den Eindruck gewinnen, dass der Untergang der westlichen Welt durch Selbstzerstörung bevorsteht. Wenigstens aber deren Spaltung – oder das „Ende der alten Welt“, wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier es nannte.

Daneben sind, vornehmlich in den sozialen Medien, noch die Welterklärer und Gesellschaftskritiker anzutreffen. Also die, die die Deutungshoheit über „Gott und die Welt“ für sich beanspruchen bzw. daran etwas auszusetzen haben. Respekt, wer deren Beiträge liest, mag wegen ihrer Originalität zunächst beeindruckt sein. Wer aber genauer liest wird bald merken, dass viele kritische Texte agitatorischen Inhalts sind und häufig etwas insistieren, was faktisch kaum belegbar ist und zu einem wissenschaftlichen Diskurs oft nicht taugen. Auch weil sie meist rein destruktiver Natur sind indem sie zeigen, was alles nicht optimal – um nicht zu sagen, schlecht ist. Die Antwort, wie was besser wäre, bleiben sie in der Regel schuldig.

Ein Freund meinte dazu, das würde ihn an ein Frühstück mit seinem zehnjährigen Neffen erinnern: „Die Milch ist kalt.“ – „Ja“ – „Kalte Milch morgens ist nicht gesund.“ – „Wer sagt das?“ – „Ich mag morgens keine kalte Milch!“ – „Ja und?“

Die heutigen Zeiten sind allemal schwieriger als das Problem mit der kalten Milch. Zu den politischen kommen die ökonomischen Fragestellungen und die Beurteilung der Zusammenhänge – was ist wenn dies oder das so oder so kommt – ist ziemlich komplex und dadurch kompliziert und mannigfaltig. Während die Gesellschaftkritiker nur kritisieren, versuchen sich die Populisten in einfachen Antworten. Ich hätte auch sagen können, „wenigstens in einfachen Antworten“, aber das wäre falsch. Bei der Komplexität taugen keine einfachen Antworten zu einfachen Lösungen. Sie erwecken nur den irrigen Eindruck, dass sie es könnten. Nein, was wir brauchen, das sind die Diskussionen – und zwar mit konstruktiven Beiträgen. „Der Meinungsstreit ist keine Störung des Zusammenlebens, sondern Teil der Demokratie“, hat Joachim Gauck gesagt. Genau, in dem Sinne gehört für mich zur Demokratie auch, dass nach dem Meinungsstreit entstandene Meinungsmehrheiten respektiert und toleriert werden und nicht als eine Diktatur der Mehrheit über die Minderheiten angesehen wird.

Wenn jemand Vorschläge hat, wie das Zusammenleben in einem freiheitlichen Rechtsstaat mit einer pluralistischen Gesellschaftsordnung besser funktionieren könnte, der soll sich melden. Denn das Bessere ist des Guten Feind, nicht allein die Kritik daran!

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Zur Besinnung kommen

Ein Text von Markus Drescher, stellvertretender Ressortleiter Inland beim ND. Markus Drescher wünscht uns schöne Weihnachten zum Nachdenken. Ich schließe mich dem kommentarlos an:

Gott sei Dank. Dieses (hier bitte ein Fäkalwort ihrer Wahl einsetzen) Jahr geht zu Ende. Aber besteht Grund zur Hoffnung, dass das nächste besser wird? Wohl nicht. Außer, ja außer die besinnlich genannte Zeit wird genutzt, um zur Besinnung zu kommen.

Terroristen morden, zerstören, wollen Angst und Schrecken verbreiten. Das ist allerdings schon alles, was sie können. Sie bringen nicht die »westlichen Werte« zu Fall. Haben nicht die Macht, an Rechten, Lebensweisen, Mitmenschlichkeit zu rühren. Dafür brauchen sie Komplizen.

Die sie mit den großen und kleinen Seehofers dieser Republik, Pegida, AfD, all den erbärmlichen Hetzern im Netz nicht einmal lange zu suchen brauchten. Mehr als bereitwillig erfüllen sie die Aufgaben, die ihnen der »IS« zugedacht hat: Freiheiten einschränken, das Grundgesetz liquidieren, den Hass der Terroristen in die Gesellschaft tragen und ihnen zum Sieg verhelfen.

All ihr selbst ernannten Verteidiger des christlichen Abendlandes: Weihnachten ist das Fest der Nächstenliebe. Abschottung und Ausgrenzung (die Jesus und seine Familie in der Weihnachtsgeschichte ja selbst erfahren) sind definitiv die falschen Schlussfolgerungen für jemanden, der sich christlich nennt.

Ist zu diesem Weihnachtsfest die Zeit gekommen, da Innehalten und Insichgehen die Dinge zum Besseren wendet? Uns auf ein weniger schreckliches kommendes Jahr hoffen lässt?

Es wäre ein wahres Weihnachtswunder. Und so nötig.

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Berlin – innehalten ja, aber ich hab‘ da mal ’ne Frage:

Berlin. Während die Nation am Montagabend nach dem fürchterlichen Anschlag bestürzt ist und trauert, gibt es in den Social Medias aus der rechten Ecke reflexartig die ersten postfaktischen Schuldzuweisungen: Merkels Politik, die Flüchtlinge, die Muslime, usw.. Dabei fällt ein Tweet vom Pegida-Bachmann, 2 Stunden nach dem Attentat, ins Auge:

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Etwa zu dieser Zeit gab es die ersten Agenturmeldungen, dass ein Flüchtling afghanischer oder pakistanischer Herkunft als Tatverdächtiger festgenommen worden sei. Mittlerweile wissen wir, dass der Festgenommene als Täter ausscheidet und dass seit gestern nach dem 24jährigen Anis Amri aus Tunesien gefahndet wird, der 2011 als Minderjähriger über die italienische Insel Lampedusa nach Europa kam.

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Ich glaube per se nicht an Zufälle. Deshalb drängt sich mir die Frage auf: „Woher hatte Rechtsaußen-Bachmann seine Information? Kann es sein, dass die Polizei viel eher Hinweise auf diesen jetzt tatverdächtigen Tunesier hatte, als sie erklärt hat – und gibt es ein Leck in der Polizei?“

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Innehalten – statt Schuldzuweisungen

Montagabend. Mein Handy plingt. SPON sendet eine Push-Nachricht: „Lkw rast in einen Berliner Weihnachtsmarkt, mehrere Tote.“ Ich mache den Fernseher an – und bin erschüttert. Dabe…

Quelle: Innehalten – statt Schuldzuweisungen

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