Das merkwürdige Wahlverhalten der Deutschtürken

Die Türkei und die Oster-Überraschung. War das Wahlergebnis in der Türkei wirklich eine Überraschung? Mussten wir nicht mit dem Wahlergebnis – einem knappen „Ja“ für Erdogans Präsidialsystem – rechnen? Ich meine ja. Womit ich jedoch nicht gerechnet habe, ist das Wahlverhalten der Deutschtürken.

In allen dreizehn deutschen Städten, in denen die wahlberechtigten Deutschtürken ihre Stimme abgeben durften, hat es eine Mehrheit für Erdogans Präsidialsystem gegeben.

Hasnain Kazim vom SPIEGEL hat dazu einen lesenswerten Kommentar geschrieben:

Eine deutliche Mehrheit der türkischen Wähler in der Bundesrepublik hat für Erdogans Präsidialsystem gestimmt – viele aus Trotz gegenüber Deutschland. Das zeigt, dass sie noch lange nicht angekommen sind. Es tut weh, so etwas sagen zu müssen, aber man kann nicht für ein autokratisches System sein, für die Todesstrafe, für die Inhaftierung von kritischen Journalisten, für das Einsperren von politischen Konkurrenten, und sich dann beschweren, in Deutschland nicht als Deutsche akzeptiert zu werden. Das geht nicht. Da ist Integration gescheitert, und die Schuld liegt nicht nur bei Deutschland.

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Kazim bringt es für mich genau auf den Punkt. Besonders auf seine Schlussfrage hätte ich gerne Antworten:

Warum sie als Demokraten, die sie sein wollen, Rechtsextreme – zu Recht – kritisieren, aber einem islamistischen Autokraten Entgegenkommen zeigen und warum sie den Menschen in der Türkei in den Rücken fallen – denn das Ja-Lager hat nur unter großem finanziellen und personellen Aufwand und mit massiver Unterdrückung seiner Gegner sehr knapp gewonnen -, das bleibt ihr Rätsel. Aber diese Fragen, da müssen wir nun alle durch, sollten sie schon beantworten.

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Syrien – Irrtum inbegriffen

Syrien. Schweiz. Gestern lese ich im Schweizer

über „Gift, Lügen und die Schuld: Die internationale Empörung ist gross über den Giftgaseinsatz, der in Syrien Dutzende Zivilisten getötet hat. Doch wer ist dafür verantwortlich?“ Die Antwort auf die Frage wird zwar nicht wortwörtlich, aber tendenziell gegeben: Präsident Assad mit seiner syrischen Luftwaffe.

EMC zeigt Bilder von verzweifelten Rettungsversuchen der durch Giftgas betroffenen Menschen

Im nächsten Artikel des Schweizer Blattes lese ich von der „Mitschuld der US-Präsidenten: Über Assad sollten die Syrer selbst entscheiden, hiess es aus Washington. Der Diktator half der Entscheidungsfindung mit chemischen Kampfstoffen nach.“ Weiter heißt es in dem Artikel:

Trump … teilte … mit, die USA stünden fest an der Seite ihrer Verbündeten, um den Angriff – Achtung! – ‚zu verurteilen‘. Die Lektion für Assad: Er kann bomben, foltern, vergasen, wie er will – vor Trump muss er keine Angst haben. Die Lektion für die Welt: Früher regierte in Washington ein Präsident, der rote Linien in die Luft malte, diese aber nicht verteidigte. Heute regiert in Washington ein Präsident, der erst gar keine roten Linien zieht, zumindest keine, die das Völkerrecht oder die letzten Reste Menschlichkeit vor Verbrechern wie Assad und seinen Komplizen in Moskau und Teheran schützen. Den Preis dafür bezahlten am Dienstag Dutzende syrische Zivilisten.

Seit heute Morgen wissen wir, dass Assad sich geirrt hat, sollte er Trumps Äußerungen wie der Schweizer Tagesanzeiger interpretiert haben und doch „Angst vor Trump haben muss“. Umso gespannter war ich auf die Lektüre des Tagesanzeigers und wie er nun nach seinem „Irrtum“ titelt – und siehe da: „Plötzlich ist alles anders – warum Trump jetzt angreift: Was bezweckte Präsident Trump mit der Militäraktion in Syrien?

Die drei Artikel nacheinander gelesen erinnern mich an Konrad Adenauer:

Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, nichts hindert mich, weiser zu werden.

Wenn doch nur die am Krieg beteiligten Parteien auch „weiser“ werden würden …!

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