Zur Besinnung kommen

Ein Text von Markus Drescher, stellvertretender Ressortleiter Inland beim ND. Markus Drescher wünscht uns schöne Weihnachten zum Nachdenken. Ich schließe mich dem kommentarlos an:

Gott sei Dank. Dieses (hier bitte ein Fäkalwort ihrer Wahl einsetzen) Jahr geht zu Ende. Aber besteht Grund zur Hoffnung, dass das nächste besser wird? Wohl nicht. Außer, ja außer die besinnlich genannte Zeit wird genutzt, um zur Besinnung zu kommen.

Terroristen morden, zerstören, wollen Angst und Schrecken verbreiten. Das ist allerdings schon alles, was sie können. Sie bringen nicht die »westlichen Werte« zu Fall. Haben nicht die Macht, an Rechten, Lebensweisen, Mitmenschlichkeit zu rühren. Dafür brauchen sie Komplizen.

Die sie mit den großen und kleinen Seehofers dieser Republik, Pegida, AfD, all den erbärmlichen Hetzern im Netz nicht einmal lange zu suchen brauchten. Mehr als bereitwillig erfüllen sie die Aufgaben, die ihnen der »IS« zugedacht hat: Freiheiten einschränken, das Grundgesetz liquidieren, den Hass der Terroristen in die Gesellschaft tragen und ihnen zum Sieg verhelfen.

All ihr selbst ernannten Verteidiger des christlichen Abendlandes: Weihnachten ist das Fest der Nächstenliebe. Abschottung und Ausgrenzung (die Jesus und seine Familie in der Weihnachtsgeschichte ja selbst erfahren) sind definitiv die falschen Schlussfolgerungen für jemanden, der sich christlich nennt.

Ist zu diesem Weihnachtsfest die Zeit gekommen, da Innehalten und Insichgehen die Dinge zum Besseren wendet? Uns auf ein weniger schreckliches kommendes Jahr hoffen lässt?

Es wäre ein wahres Weihnachtswunder. Und so nötig.

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Berlin – innehalten ja, aber ich hab‘ da mal ’ne Frage:

Berlin. Während die Nation am Montagabend nach dem fürchterlichen Anschlag bestürzt ist und trauert, gibt es in den Social Medias aus der rechten Ecke reflexartig die ersten postfaktischen Schuldzuweisungen: Merkels Politik, die Flüchtlinge, die Muslime, usw.. Dabei fällt ein Tweet vom Pegida-Bachmann, 2 Stunden nach dem Attentat, ins Auge:

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Etwa zu dieser Zeit gab es die ersten Agenturmeldungen, dass ein Flüchtling afghanischer oder pakistanischer Herkunft als Tatverdächtiger festgenommen worden sei. Mittlerweile wissen wir, dass der Festgenommene als Täter ausscheidet und dass seit gestern nach dem 24jährigen Anis Amri aus Tunesien gefahndet wird, der 2011 als Minderjähriger über die italienische Insel Lampedusa nach Europa kam.

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Ich glaube per se nicht an Zufälle. Deshalb drängt sich mir die Frage auf: „Woher hatte Rechtsaußen-Bachmann seine Information? Kann es sein, dass die Polizei viel eher Hinweise auf diesen jetzt tatverdächtigen Tunesier hatte, als sie erklärt hat – und gibt es ein Leck in der Polizei?“

SMS

Innehalten – statt Schuldzuweisungen

Montagabend. Mein Handy plingt. SPON sendet eine Push-Nachricht: „Lkw rast in einen Berliner Weihnachtsmarkt, mehrere Tote.“ Ich mache den Fernseher an – und bin erschüttert. Dabe…

Quelle: Innehalten – statt Schuldzuweisungen

Morgens im Büro

Es ist viertel nach acht. Im Radio auf NDR2 läuft die Versteigerung eines Bildes von Udo Lindenberg im Rahmen der Spendenaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“. Im letzten Jahr betrug der Gesamterlös 27.416,31 € zugunsten der Flüchtlingshilfe. In diesem Jahr wird der Auktionserlös dem Deutschen Hospiz- und Palliativverband zugute kommen. Insgesamt werden 34 Zeichnungen bekannter Künstler und Sportler zum Erwerb angeboten.

Jetzt, 10 Minuten vor Auktionsschluss um acht Uhr dreißig, meldet der Moderator „sagenhafte“ 20.000 € und einen Cent als aktuelles Höchstgebot.

Ich bin gespannt. Mitbieten kann ich nicht, die Summe bewegt sich weit außerhalb meiner Gehaltsklasse. Während ich auf das Ergebnis warte, zwei Sachen:

„Postfaktisch“ ist zum Wort des Jahres 2016 gekürt worden. Warum? Nur weil es ein neu gebräuchlicher Begriff ist? „Postfaktisch“ gab es schon immer, nur nannte man es früher Lügen, Märchen oder eine haltlose Behauptung. Neu ist das also nicht, Unwahrheiten, Populismus und Intrigen gibt es seit Menschengedenken.

Olympia-Aus für ARD und ZDF: Die letzten Olympischen Spiele waren vorerst die letzten, über die – mit großem Aufwand – unsere öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten berichtet haben. Ist das schlimm? Nein! Zum einen werden andere Sender übertragen, zum anderen gilt es auch sorgsam mit unseren Gebühren umzugehen. Nicht jeden interessiert der von Korruption und Doping verseuchte Sport. Schon gar nicht die aufgeblähten Großveranstaltungen, zumal wenn sie sich auch noch nachteilig auf die heimische Bevölkerung auswirken. Das Aus ist die große Chance für ARD und ZDF, hintergründig und kritisch auf den Sport zu schauen. Vielleicht interessieren sich dann auch wieder mehr Menschen dafür.

Nun das Resultat – und ich finde die Spendenbereitschaft großartig:

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Ein Theater der Angstmacherei

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Eine Pressemeldung unter vielen, die sich mit den gestrigen Wahlen beschäftigt. Den Beitrag von Inoslav Bešker in der kroatischen Jutarnji List halte ich für besonders lesenswert. Die ständige Ankündigung von Katastrophen ist für ihn „übertriebene Schwarzmalerei“ – auch im Fall Italiens:

„Das italienische Referendum wurde als gefährlich bewertet, weil die Regierung in Rom fallen könnte. So ein Unsinn! Als ob es die erste Regierung Italiens wäre, die gestürzt wird. Ganz im Gegenteil gehört Renzi zu der Gruppe der Langlebigen im italienischen System der ’stabilen Instabilität‘. ‚Ja, aber wenn Renzi geht, kommt der antieuropäische Beppo Grillo!‘ Ach was, und sonst käme er nicht? Grillo kommt ohnehin spätestens bei der Wahl im Frühjahr 2018 an die Macht, wenn sich nicht dramatisch etwas ändert. So ist das ganze Theater ein Produkt der Angstmacher, die – nachdem die Griechen nicht die Eurozone verlassen haben, die EU nach dem Brexit nicht auseinandergefallen ist – noch schnell ein neues Panikszenario entfachen wollten, bevor sie uns mit Trumps Einzug ins Weiße Haus und der Entscheidung über das politische Schicksal Merkels angst und bange machen.“

Für mich ist es immer wieder erhellend Beiträge zu lesen, die nicht aus den deutschen Medienhäusern stammen. Nicht, dass ich denen misstraue, aber ab und zu „über den Tellerrand zu schauen“, kann nicht schaden.

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