Ist die ganze Welt „amok“?

Amok

Nizza, Würzburg, München, Ansbach, letzte Nacht Japan, heute Morgen Normandie. Das sind die letzten „Amok-Meldungen“ allein der vergangenen Tage. Wie viele Tote hat es zwischen der Amok-Tat in Nizza vor knapp zwei Wochen und der heute in der Normandie gegeben? Müssen wir uns an solche Meldungen – ein Screenshot von heute Morgen – gewöhnen?

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Und ist es nicht letztendlich egal, ob jemand als Terrorist bezeichnet wird, der „amok läuft“? Die Ergebnisse sind so oder so die gleichen. Die Diskussionen darüber scheinen mir manchmal auch mehr akademischer Natur zu sein. In einen „psychischem Ausnahmezustand“ sind alle Täter, sonst würden sie ihre Taten nicht ausüben.

Zu den Horrormeldungen gerade jetzt in der Urlaubszeit gehören auch die über schwere Verkehrsunfälle, hier ein Screenshot aus meiner regionalen PAZ vom 18. Juli.

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Lkw-Fahrer, die vorsätzlich die Abstandswarn- und Bremsassistenten an ihren Lkw ausschalten, sind für mich auch so etwas wie in einem „psychischen Ausnahmezustand“, weil sie dadurch in Kauf nehmen, bei einem Unfall Menschen schwer zu verletzen oder gar zu töten. Warum? Ist der Termin-Stress so groß?

Übrigens: In den letzten zwei Wochen sind statistisch rund 337.500 Menschen auf der Welt den Hungertod gestorben. Die meisten davon in Afrika. Das rufe ich bei alledem mal in Erinnerung, auch für die, die sich wundern, warum so viele Afrikaner nach Europa emigrieren wollen ….

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Böses Erwachen

RadioweckerEin böses Erwachen ist für mich die Situation, wenn ich abends ohne böse Vorahnungen ins Bett gehe und morgens mit schlimmen Nachrichten vom Radiowecker geweckt werde. Dann bin ich sofort hellwach, auch ohne Kaffee.

Vor rund drei Wochen habe ich mich abends mit der Überzeugung ins Bett gelegt, dass die Briten mehrheitlich schlau genug waren und gegen den Brexit gestimmt haben. Mein Radiowecker erzählte mir am nächsten Morgen genau das Gegenteil.

Gestern Morgen berichtete er mir von dem Anschlag im französischen Nizza, 84 Tote. Gestern Abend habe ich mich in der Meinung zum Schlafen hingelegt, dass es sich wohl eher um eine Amoktat eines psychisch kranken Menschen gehandelt hat, statt um ein Attentat eines religiösen Fanatikers. Obwohl das Resultat dasselbe bleibt. Nur kann eine Amoktat von unseren europäischen rechtspopulistischen Nationalisten weniger ausgeschlachtet werden, als ein Attentat eines radikalen Islamisten.

Heute Morgen quäkt mein Wecker zu mir, dass in der Türkei das Militär einen Putsch versucht hat. Das war wieder ein Erwachen mit der Beschleunigung eines Rennwagens. „Erdogan weg?“ war mein erster spontaner Gedanke, der mich mindestens nicht erschrecken ließ. Aber nein, „die Regierung scheint die Lage wieder unter Kontrolle zu haben“, quäkte mein Wecker weiter. „Ja doch, das ist auch gut so“, war mein zweiter Gedanke. „Man mag Erdogan für einen fürchterlichen Despoten halten und von ihm meinen was man will, aber er ist demokratisch gewählt worden. Kein Putsch der Welt lässt sich demokratisch legitimieren. Und jedes Volk wählt sich die Regierung, die es verdient. Egal, ob es den Nachbarn gefällt oder nicht.“ Trotzdem, eine Türkei ohne einen Präsidenten Erdogan wäre mir persönlich sympathischer, aber nicht für den Preis einer Militärdiktatur.

Ich überlege, ob ich mir heute einen neuen Radiowecker kaufe ….

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Brexit? Ein Grund zum Nachdenken

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„War da was? Das Brexit-Beben ist überstanden, die Welt dreht sich weiter. Statt den Teufel an die Wand zu malen, sollten Politiker zur Besinnung kommen – und endlich aufhören, selbstherrlich den Willen ihrer Wähler zu ignorieren.“

Das sind die einleitenden Sätze des bekannten Börsenmaklers und Autors Dirk Müller in einem Gastbeitrag auf ntv zum Brexit.

Tatsächlich gibt es – mittlerweile acht Tage nach dem britischen Referendum – keinen offensichtlichen Anlass zur Panik. Die Briten haben sich mehrheitlich entschieden aus der EU auszutreten. Wann? Nur die britische Regierung bestimmen den Zeitpunkt der formellen Austrittsmitteilung. Vielleicht 2017? Die Briten wollen vorher die Modalitäten verhandeln, die EU danach, im dafür vertraglich vorgesehen Zeitraum von zwei Jahren. Egal wie, es wird einen Weg geben – und Großbritannien ist nicht wie Griechenland in der Situation, sich einem Diktat beugen zu müssen.

Großbritannien ist aber auch nicht wie Norwegen, Island oder die Schweiz, doch so ähnlich stellen sie sich das zukünftige Verhältnis zur EU vor: Freier Zugang zum europäischen Binnenmarkt, aber ohne die reglementierenden Vorgaben aus Brüssel. Das klingt zunächst verständlich, hat aber ebenso verständlich zwei Haken:

  1. Die drei Nationen erkaufen sich den Zutritt zum Binnenmarkt mit gewissen Beiträgen in die EU-Kasse.
  2. Sie akzeptieren die „vier Grundfreiheiten“ der EU (freier Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr), mit allem was an gemeinschaftlichen Rechtsakten dazugehört, ohne selbst mitbestimmen zu dürfen.

Und das ist das Problem: Die Briten wollen zukünftig weder Geld nach Brüssel überweisen, noch den freien Personenverkehr akzeptieren. Und nun? Sollte das nicht Grund genug sein, über die Prinzipien der EU nachzudenken? Auch darüber, wie oft die selbst nicht beachtet wurden?

Prinzipien der EU 750

Dabei geht es im Grunde um diese Fragen:

  • Haben die Briten nur vorgemacht, was bei ähnliche Abstimmungen in vielen anderen EU-Staaten – Niederlande, Dänemark, Polen, Österreich, Ungarn, Österreich, Italien, Frankreich – zurzeit ähnlich ausgehen könnte? Nicht zu vergessen Griechenland, die wollten, aber nicht durften, und Island, Norwegen, Schweiz, die gar nicht erst wollen.
  • Haben wir nicht heute schon ein Europa der drei „Geschwindigkeiten“? Sollten sich nicht alle ganz offiziell dazu bekennen und jedem sein Tempo auf der „europäischen Autobahn“ fahren lassen, das er meint fahren zu können, zu wollen? Rechts die behäbigen Schleicher, in der Mitte die, die nie rechts fahren, denen die linke Spur aber zu schnell ist, und links für die Raser, denen es nicht schnell genug gehen kann.
  • Sollten wir uns nicht gelegentlich in Erinnerung rufen, was die Vorläufer der heutigen EU ausgemacht hat? „Back to the roots“: Ist ein frei zugänglicher europäischer Wirtschaftsraum vielen Menschen nicht gleichermaßen wichtig wie auch genug?
  • Kann es sein, dass die heutige EU mit seinen vielen Institutionen – wie viele gibt es überhaupt – von vielen Menschen nicht mehr verstanden wird und darunter die Akzeptanz leidet?

Für mich – als überzeugtem Europäer – ist der Brexit ein Grund zum Nachdenken. Ich weiß, dass es keine einfachen Antworten gibt. Wer jetzt meint sie zu haben, der hat die Probleme in ihren Ausmaßen nicht erkannt. Und was nützen die besten Ideen, wenn die, die dabei mitmachen sollen, davon nicht überzeugt sind? Dann ist weniger oft mehr. Vielleicht ging es manchmal auch zu schnell. Meine Hoffnung sind die jungen Menschen – unsere Zukunft – denn die sind, nach allem was ich mitbekomme, auch in Großbritannien, mehr von der europäischen Idee überzeugt als wir Älteren.

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