Mea culpa

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Link zum SPIEGEL-ONLINE-Artikel „Der große Knall“

„I’m astonished!“  Als ich gestern Abend spät nach Hause kam und zum Abspannen noch einmal durch die Fernsehprogramme gezappt habe, war die Welt für mich noch in Ordnung. Alle Nachrichtensender hatten das britische Referendum im Programm. Unisono war man sich nach aktuellen Umfragen und Prognosen einig, dass die Briten in der EU bleiben würden. Dazu die positive Entwicklung tagsüber an den Börsen, wo angeblich die weitere EU-Mitgliedschaft der Briten schon vorweggenommen wurde – and last, but not least, die hohen Quoten bei den britischen Buchmachern für einen Verbleib der Briten in der EU.

Heute sieht die Welt ganz anders aus, gefühlt ist über Nacht alles in Unordnung geraten.

Ausgerechnet die Wettquoten hatten mich überzeugt, dass das Referendum pro EU ausgehen würde. Wenn jemand aufgrund dessen darauf gewettet haben sollte: „Mea culpa!“  Auf was kann man sich noch verlassen? Auf nichts! Dabei hätte mich eins stutzen lassen sollen: Ein Freund sagte mir gestern Morgen zu den Wetten, dass seines Wissens mehrheitlich mit kleineren Beträgen auf „Leave EU“ gewettet werden würde. Die hohen Quoten für „Remain EU“ seien lediglich darin begründet, dass wenige institutionelle Zocker sehr hohe Beträge auf einen Verbleib in der EU gesetzt hätten. Dazu fällt mir nur eins ein: „Verzockt!“

Und nun? „Ceep calm!“

SMS

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„Brexit? That’s pure hysteria“

20160618 Dunguaire Castle

Wenn ich über-übermorgen in die Zeitung schaue werde ich lesen, dass sich die Briten mehrheitlich für den Verbleib in der EU entschieden haben.

Ich bin mir ganz sicher und gehe jede Wette ein.

Warum ich mir so sicher bin?

Das habe ich vor einigen Tagen einen irischen Bekannten gefragt, der mir das genau so erklärt hat. Eingeleitet mit dem Satz: „Brexit? That’s pure hysteria!“  Dabei hatte ich geglaubt, dass sich besonders die Iren wegen des nachbarschaftlichen Handels Sorgen um einen EU-Austritt der Briten machen. Aber Nein. Jedenfalls behauptet mein Bekannter, dass die Iren das als Hysterie abtun, die lediglich von den Medien aufrecht gehalten wird.

„We are relaxed!“ und dann folgt ein Begründung für die angebliche Entspanntheit, die ich so nicht erwartet hätte: Solange die Briten selbst bei ihren Buchmachern auf eine weitere Mitgliedschaft in der EU wetten, solange muss man sich keine Gedanken machen. Die Wetten stehen 3 zu 1 für einen Verbleib. Wer soll ein besseres Gespür für die Stimmungslage im eigenen Land haben, als die Briten selbst? Außerdem erinnerte er mich daran, dass es 1975 beim ersten britischen Europa-Referendum nicht anders war als heute. Am Ende haben zwei Drittel der Britten pro Europa abgestimmt.

Also wette ich auch darauf, dass wir am Freitag lesen:

Briten bleiben in der EU

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EM – Nebenklänge

Zurzeit dreht sich – medial – wieder alles um den Fußball. Eine der beiden deutschen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, ARD oder ZDF, sendet im Wechsel mit der anderen gefühlt nur Fußball. Gefühlt ist auch jeder zweite Deutsche so etwas wie ein Bundestrainer, oder -trainerin, auf alle Fälle besserwissend. Mir gehen diese Diskussionen über die Spielaufstellungen, Taktiken usw. „gehörig auf den Sack“. An selbigem kratzen sich – laut dem Nationalspieler Podolski – 80 % der Männer, er auch, gibt er zu, so wie der Bundestrainer Löw, was zu sehen war. Und das auch noch bekleidet mit einem schlafanzugähnlichem grauen Shirt, statt im weißen Boss-Hemd – was wiederum die Chefs des renommierten Herrenausstatters mehr irritiert hat als der Griff in die Hose selbst.

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Link zum Beitrag auf sport1.de

Aber so sind die boulevardistischen und die sozialen Medien, das haben sie gemein: die Lust am Voyeurismus. Das ist keine neue Erkenntnis. Aber mittlerweile geht es so weit, dass nur darauf gewartet wird, dass etwas Peinliches passiert. Dass sich Prominente einen Fauxpas leisten – um dann auf dem Boulevard und vor allem bei Facebook & Co. hemmungslos loszuschlagen.

Als nichtsportbegeisterter Mensch stellt sich mir trotzdem die Frage, ob ein sich in aller Öffentlichkeit an seiner intimsten Stelle kratzender Bundestrainer eine schlechterer Trainer, oder gar Mensch ist? Die Antwort gebe ich mir schnell selbst: „Die Frage ist sinnfrei“.

Vielmehr sei die Frage erlaubt, ob solch eine reflexartige Handlung, die ich unterstelle weil es gejuckt oder der Slip gezwickt hat (welcher Mann kennt das nicht?), überhaupt gesendet werden muss? Und wenn das vielleicht doch so wichtig ist, dann kann der Fußball nicht so wichtig sein, wie viele dieser Tage meinen.

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