VW-Management und die Demut

Immanuel Kant definierte die Demut so: „Das Bewusstsein und Gefühl der Geringfähigkeit seines moralischen Werts in Vergleichung mit dem Gesetz ist die Demut.“ Nehmen wir diesen Satz als Maßstab, dann ist es nicht weit her mit der Demut im VW-Management. Dabei wäre die – angesichts der Diesel-Affäre und drohenden Schadenersatzzahlungen im Bereich von kolportierten 20 bis 60 Milliarden Euro – durchaus angebracht.

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Der neue VW-Chef Matthias Müller, den der Skandal um die Dieselmotoren im letzten Herbst auf den Vorstandsposten gebracht hatte, sprach noch vor Monaten ungewöhnlich deutliche Worte: „Das alles wird nicht ohne Schmerzen gehen, alle müssen den Gürtel enger schnallen, auch die Topmanager mit ihren Millionen-Boni.“ Und heute?

Ich kenne viele VW-Arbeiter aus den heimischen Werken hier in Wolfsburg, Hannover oder Salzgitter. Ich höre immer mehr Verärgerung. Ganz besonders die Leiharbeiter fürchten um ihre Jobs, oder haben sie bereits verloren, und die Stammbelegschaft macht sich keine große Hoffnung auf ihre Erfolgsprämie. Rund 5.000 Euro sollen das die letzten Jahre gewesen sein – pro Jahr, versteht sich. Die Aktionäre rechnen nicht mehr mit einer Dividende und normal sollte sein, dass auch die Manager mindestens auf den größten Teil ihrer Millionen-Boni verzichten. Aber dazu sollen sie mit Verweis auf ihre Verträge angeblich nicht bereit. Das alles erzürnt natürlich den Betriebsrat und schon (wieder) wird ein Streit nach draußen getragen, den VW im Moment nun überhaupt nicht braucht.

Der Teufel liegt wie so oft im Detail. Während die Erfolgsprämien freiwillige Zahlungen des Konzerns an seine Mitarbeiter sind, die Dividenden sich aus dem aktuellen Wirtschaftsergebnis ergeben, beruhen die Boni an die Vorstände auch auf der Arbeit der vergangenen Jahre. Und da lief es ja noch gut bei VW.

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Bei uns im mittleren Niedersachsen gibt es einen Spruch: „Wenn VW hustet, dann ist die Region erkältet.“ VW ist der größte Arbeitgeber und Steuerzahlen, dazu kommen die vielen Zulieferfirmen – der Satz ist somit nicht übertrieben. Zurzeit hat VW aber selbst „eine Grippe“, mindestens. Was das in den nächsten Jahren für die Steuereinnahmen des Landes bzw. die Gewerbesteuereinnahmen der betroffenen Kommunen und die Arbeitslosenzahlen bedeutet, kann sich sicher jeder vorstellen. Auch aus dem Grunde kenne ich niemanden mit Verständnis für die Zahlungen von Millionen-Boni an die Manager des Konzerns.

Trotz alledem, die „Chefetage“ sollte sich ihrer moralischen Verantwortung bewusst sein und sich entgegen ihrer Verträge vorbildlich bei der Anpassung ihrer Vergütung verhalten, sprich ein bisschen Demut walten lassen.

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2 Kommentare

  1. Moin.
    Oh ja, die Abhängigkeit von der Gewerbesteuer …. Nur wird auch von deinen Berufskollegen oft der Fehler gemacht, die Bruttozahlen zu nennen. Davon sind jedoch noch die Umlagen abzugeben. Allerdings ist das auch nur ein schwacher Trost, weil insgesamt natürlich die Steuereinnahmen im Lande fehlen und somit weniger vom Land an alle Kommunen verteilt werden kann.
    Aber an eines möchte ich an dieser Stelle erinnern: Als Porsche von der VW AG übernommen wurde, hatte Stuttgart als Porsche-Sitz erhebliche Steuereinbußen zu verzeichnen, Steuern, die nun Wolfsburg bzw. Niedersachsen zugute kommen. Seitdem erhält Stuttgart nur noch einen Anteil von der VW-AG-Gewerbesteuer, die sich an der Zahl der am Standort Beschäftigten und deren Lohnsumme bemisst. Nun ist Stuttgart ein zweites Mal gebeutelt – und wegen der Gewerbesteuerumlage auch das Land Baden-Württemberg – wenn die die Wolfsburger VW AG insgesamt weniger Gewerbesteuern zahlt, somit auch weniger in Stuttgart ankommt. Und das, wo es Porsche nach wie vor gut geht und die Gewinne nicht unbeträchtlich sind.
    Mit anderen Worten: der VW-Skandal ist überall spürbar!
    Viele Grüße

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    Antwort
  2. Halöle,
    wenn ich die Zahlen aus unserem Rathaus richtig im Kopf habe, haben wir bisher keinen Einbruch bei den Steuereinnahmen zu verzeichnen, aber wir in Hannover sind längst nicht so abhängig von VW wie Wolfsburg usw..
    Vorstands-Boni: Sicherlich wäre es wünschenswert, wenn sie wenigstens teilweise verzichten würden, aber Verträge sind Verträge, und somit wäre ein Verzicht rein freiwilliger Natur. Auch wenn es vielleicht nicht jeder so hören mag: Vorstände haben genau so ein Recht darauf, daß ihre Verträge eingehalten werden, wie das Tarifpersonal.
    Grüße von D aus H

    Gefällt 1 Person

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