400.000 weniger Flüchtlinge als angenommen?

„Über eine Million Flüchtlinge sollen 2015 nach Deutschland gekommen sein. Neue Zahlen der Bundesregierung legen nahe, dass nur 600.000 geblieben sind. Wie kommt das?“

Dieser Frage ist Tina Groll in der „ZEIT“ nachgegangen. Ausschlaggebend war eine Kleine Anfrage der Fraktion der LINKEN zu den IST-Zahlen Ende 2015. Die Antwort hat nun das Bundes-Innenministerium vorgelegt.

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2015 hat Deutschland über eine Millionen Flüchtlingen aufgenommen, eine Zahl die immer wieder kolportiert wird. Wie viele es tatsächlich waren, kann niemand genau sagen. Fakt nach Angaben des Ministeriums ist, dass sich zum Jahreswechsel davon noch rund 600.000 in Deutschland aufhielten.

Die 51-seitige Antwort in Kurzform: In Deutschland lebten zum Stichtag 31.12.2015 rund 1,25 Millionen Flüchtlinge. Ein Jahr zuvor waren es aber auch schon 627.000. Von den 1,25 Millionen sind 950.000 Menschen asylberechtigt, haben ein laufendes Asylverfahren oder einen Duldungsstatus. 300.000 weitere hatten Ende Dezember 2015 noch keinen Asylantrag gestellt – weil das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) mit der Bearbeitung der Anträge nicht hinterherkam.

Und der Rest, die Differenz von rund 400.000? Annehmen darf man, dass viele davon in andere Staaten wie Schweden weitergereist sind, es bei der „Easy-Registrierung“ Doppelerfassungen gab und andere freiwillig oder abgeschoben in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind.

Annehmen dürfen wir weiter, dass sich die Zahl der in Deutschland lebenden Flüchtlingen in diesem Jahr nicht erhöhen sondern eher verringern wird. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Schließung der „Balkanroute“ und die intensivierte Abschiebepolitik. Das sind die nackten offiziellen Zahlen. Was die unter humanitären Gesichtspunkten für die Millionen Flüchtlinge in den vielen Lagern in Griechenland, der Türkei, im Nahen Osten und Nordafrika bedeuten, mag jeder für sich selbst beurteilen. Viele von denen wollen nach wie vor nach Europa, auch nach Deutschland, „koste es, was es wolle“.

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2 Kommentare

  1. Moin.
    Als ich irgendwann im Januar in einer Pressemitteilung der Bamf gelesen hatte, wie viele formelle Asylanträge 2015 gestellt worden sind, ich erinnere mich an eine Zahl 400.000 und noch was, aber deutlich unter 500.000, kamen mir erhebliche Zweifel an der immer wieder durch das Easy-Registrierungssystem gestützte Zahl von über 1 Mio. Flüchtlingen. Dazu wurde selbst im letzten Jahr schon gesagt, dass es in dem Wirrwarr doppelte Erfassungen gegeben haben könnte. Nun relativiert sich die Zahl.
    Dass heute nur noch wenige Flüchtlinge in Deutschland ankommen, offiziell zumindest, wird erst einmal viele beruhigen. Allerdings, so sehe ich es, zahlen wir einen hohen Preis dafür, so oder so ….
    Viele Grüße

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    • Richtig. Die CSU / Seehofer verweisen darauf, dass die kaum noch in Deutschland ankommenden Flüchtlinge nicht auf Entscheidungen der Bundesregierung beruhen, sondern durch Entscheidungen der Balkanstaaten, die die Grenzen geschlossen haben. Warten wir ab, was noch passieren wird.
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